LymphozytÀre Meningoenzephalitis

  • Zuerst einmal ist es eine EntzĂŒndung der meningen HĂ€ute von Hirn- oder RĂŒckenmark.
    Verursacht durch bestimmte Viren


    Worum geht es denn genau, Ursachen, Verlauf, Diagnostik, Behandlung?

  • Es geht um die Ursache. Die ist nĂ€mlich ungeklĂ€rt. Also kein Erregernachweis, da Sepsis im Anfangsstadium. Der Verlauf war heftig. Hier mal die Kurzfassung: Synkopiert, 11 Wochen kĂŒnstliches Koma, aufwachen mit Hörverlust und allerlei anderen Behinderungen, die sich aber langsam wieder mit KG, PT, LogopĂ€die und HörgerĂ€t links und CI rechts beheben lassen. Ich wĂŒrde so gerne die Ursache finden, das wĂŒrde bestimmt weiterhelfen, mache mir aber dahingehend immer weniger Hoffnung und nehme es als Schicksalsschlag hin. Will ich aber noch nicht so richtig akzeptieren. Liebe GrĂŒĂŸe und Danke fĂŒr dein Interesse.


    PS. Genau Heute ist Jahrestag von dieser verdammten Krankheit.

  • Nun, es gibt ein Dutzend verschiedene VirenststĂ€mme, die als ÜbertrĂ€ger dieser Form bekannt sind
    Und in Kombination Dutzende von Möglichkeiten, wie das passieren kann
    Das nach einem Jahr noch herauzuskriegen....dĂŒrfte schwerlich möglich sein


    Und das auch noch virtuell, ohne Kenntnis der Untersuchungen, der Befunde, der damaligen LebensumstÀnde und begleitenden Situationen
    Wie soll das denn gehen?


    Gab es UmgebungsfÀlle von Viruserkrankungen (Mumps, Polio, Röteln, Masern)
    Insektenstich oder Tierbisse (Tollwut), gab es eine Behandlung mit Blut- oder Blutprodukten, Organtransplantation
    Besteht die Möglichkeit einer krankheitsbedingten oder therapeutische Immunsuppression
    Gab es Auslandsaufenthalte, wenn ja wo -> Pocken, Dengue, oder Lassa-Viren?


    Welchen Untersuchungen wurden den ĂŒberhaupt durchgefĂŒhrt?


    Wurde Blut- und Liquor-Untersuchungen gemacht. Kamen bildgebende Verfahren zum Einsatz?
    Mit der Identifizierung des Erregers ist das so eine Sache, ca. 50 % aller FĂ€lle werden nachgewiesen ....
    Wurde ein Robert-Koch-Labor konsultiert?


    Und trotzdem hast Du noch GlĂŒck gehabt, die Erkrankung hat eine hohe LetalitĂ€t
    Unbehandelt verlaufen 70 % aller FĂ€lle tödlich. Und selbst bei spezifischen Maßnahmen sind es noch 30 %
    Schwacher Trost, aber doch....



    Was genau soll denn die Kenntnis ĂŒber den Erreger oder die Ursache den verbessern oder helfen?
    Zur Rezidivprophylaxe?

  • Ich sehe Du kennst dich bestens mit der Krankheit aus. Ich kann dir sagen dass all deine Fragen schon beantwortet sind. Ich hatte (habe) die ganze Zeit ĂŒber meinen persönlichen Engel (aus Fleisch und Blut) an meiner Seite, welcher mir bestĂ€tigt, dass wirklich alle Möglichkeiten der Behandlung ausgeschöpft wurden und ich die ganze Zeit ĂŒber in den besten HĂ€nden war.


    Es wurden Blut- und Liquor-Untersuchungen gemacht, EEG, CT, MRT. Mein Engel wurde ĂŒber meine LebensumstĂ€nde befragt. Mein Körper wurde auf Insektenstiche und andere Verletzungen hin untersucht.


    Nach all dem stelle ich mir nun halt die Fragen: Wieso ich? Was kann ich tun, damit ich nicht noch einmal damit konfrontiert werde? (Geimpft bin ich mittlerweile gegen alles und jeden). Mir bleibt wohl nur die Feststellung, dass es jeden treffen kann und diesmal hat es mich getroffen.

  • Sehr, sehr interessant was ihr schreibt. Ich kann hier nicht mitdiskutieren, da ich erst durch dieses Thema mit LymphozytĂ€rer Meningoenzephalitis konfrontiert wurde.
    Was mich nur interessiert ist ob die Erkrankung ansteckend ist, nicht aus Angst, sondern als ErklĂ€rung fĂŒr die Ursache bei Dir, EknAd. Konkret gesagt könntest Du dich, falls zutreffend, ja irgendwo angesteckt haben, Ă€hnlich wie man sich bei Hepatitis A durch Lebensmittel infizieren kann. Es wĂ€re ein ErklĂ€rung. Heute essen wir Lebensmittel, allen voran Obst und GemĂŒse, aus SĂŒdamerika, Fisch aus Asien, und vieles mehr. So wie schon irgendwelche Insekten wie Vogelspinnen in Bananen gefunden wurden, so könntest Du dich eventuell auch durch Lebensmittel oder KonsumgĂŒter aus dem Ausland mit LymphozytĂ€ren Meningoenzephalitis infiziert haben?
    Aber ich will diese Diskussion nicht mit irgendwelchen Hypothesen verwaschen, deshalb halte ich mich mit meiner Unwissendheit zurĂŒck und suche mal in Wikipedia um was es grob geht.
    Gruss an alle...

  • Ich sehe Du kennst dich bestens mit der Krankheit aus.

    Hallo Eknad,
    "Bestens"..... nein, dass wahrhaftig nicht.


    Das ist Grundlagenwissen, das irgendwo im Kopf herumgeistert, irgendwann mal mit zu tun gehabt, selbst oder im Bekannten- oder Kollegenkreis und jetzt kommt was nach vorne.
    Meine ErlÀuterungen beziehen sich mehrheitlich und generell auf die Meningoenzephalitis .
    Ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob es fĂŒr die spezielle Form Deiner Krankheit, LymphozytĂ€r, wirklich so viele Erreger in Frage kommen
    Ein Kollege von mir, den ich heute Gelegenheit hatte zu fragen, hat dem spontan widersprochen.
    Da mĂŒsste ich dann selbst nachschlagen, das weiß ich so auch nicht mehr


    Tja, wenn die Untersuchungen alle schon gemacht sind. Aber alle Antworten hast Du ja noch nicht.
    Irgendwo fehlt noch was
    Woher weiß denn Dein Engel, dass ALLE Möglichkeiten ausgeschöpft sind? ;)


    Duke :
    Ja, das ist ansteckend, aber nicht durch Lebensmittel (ist zumindest nicht bekannt)
    Wird durch Tiere ĂŒbertragen (Insektenstiche, Ratten, Hamster u.s.w) per Schmier- oder Tröpfcheninfektion

  • Jumbo1, stell dein Licht nicht unter den Scheffel.
    Ich finde Du hast die richtigen Fragen und Überlegungen angestellt.
    Mehr konnten die Spezialisten dieser Krankheit mit mir auch nicht anstellen. Eventuell gingen Sie anders an die Sache ran, sind ja schließlich Tag fĂŒr Tag mit neurologischen Erkrankungen beschĂ€ftigt. Ich war in vier Kliniken, zwei davon Asklepios-Kliniken.
    In denen wurde mein Engel (Sie war rund um die Uhr bei mir oder in der NĂ€he. Die Ärzte und Pfleger lobten Sie mehrfach und manche TrĂ€ne der RĂŒhrung wurde verdrĂŒckt) ĂŒber alles was gemacht wurde aufgeklĂ€rt. Die Klinikleitung hat Sie, auf Ihren Wunsch hin, direkt in die Pflege mit eingebunden und Ihr versichert, dass alles Machbare gemacht wird, um mich da wieder herauszuholen. Sie war wohl der einzigste "Besucher" der Nachts geweckt werden musste, damit Sie in Ihr Bett kam :-) (Asklepios-Kliniken vermieten auch Zimmer fĂŒr Angehörige.)
    An dieser Stelle fÀllt mir eine Unterhaltung mit den Schwestern wieder ein. Sie beklagten, dass die meisten Angehörigen sich von ihren Familienmitgliedern mehr oder weniger distanzieren und es oft zu Trennungen von Paaren kÀme. Ich kann das verstehen, aber ich heisse das nicht gut.
    Wir haben jetzt noch Kontakt zu einer Frau die nicht nur die Last ihres Verlobten trĂ€gt, nein, es werden ihr auch noch VorwĂŒrfe seitens der Eltern gemacht. Dabei hab ich die Eltern höchst selten bei ihrem Sohn gesehen. Sie war aber tĂ€glich anwesend, hatte noch Job und Kinder. Mittlerweile ist sie sehr verzweifelt. Da gehen also Familien zu Bruch. Gott sei Dank blieb mir das erspart.

  • Hallo EknAd,
    ich weiß durchaus, dass ich die richtigen Fragen stelle und Überlegungen habe.
    Ich leide gewiss nicht an einem zu kleinen Ego oder zu geringen Selbstbewusstsein :D


    Aber die von mir genannten Untersuchungen, wie Blut, Lumbalpunktion, mikrobiologische Tests, sowie EEG, MRT, gehören bei entzĂŒndlichen Erkrankungen des ZNS nun mal zu Standard.
    Die gleichen Fragen hÀtte ich auch bei einer Menge anderer Störungsbildern gestellt


    Drehen wir die Geschichte doch mal um.
    Wie kommt es den ĂŒberhaupt zur spezifischen Diagnose einer LymphozytĂ€re Meningoenzephalitis?


    Die Stufen-Diagnostik orientiert sich zuerst mal an den Symptomen, um daraus ein Syndrom zu identifizieren
    In dem Fall zunÀchst einmal eine Meningo-Enzephalitis
    Eine septische, wie eine aseptische Àhneln sich in vielen Bereichen.
    Nur das bei der septischen ein paar (sehr drastische) Symptome dazu kommen
    Aber selbst dann ist es immer noch eine allgemeinere Diagnose , eben einer Meningoenzephalitis


    Um zu einer LymphozytÀren Variante zu kommen braucht man sehr spezifische Parameter, dazu gehören auch die entsprechen Erreger.
    Ohne die kann es keine LymphozytÀre Meningoenzephalitis werden.


    Oder haben die Ärzte in die Lostrommel gegriffen (Manchmal wĂŒrde es mich nicht wundern)

  • Hallo an alle,
    ja, lieber Jumbo1, an zu kleinem Ego mangelt es Dir beileibe nicht, lach... Doch sind deine AusfĂŒhrungen ja auch von fundiertem Wissen, Erfahrung, und QualitĂ€t gesegnet.
    Danke fĂŒr die Antwort bezĂŒglich der Übertragung des Erregers von lymphozytĂ€rer Meningoenzephalitis, bzw dessen Übetragungswege. Ich hatte anfangs auch schon die Vermutung bei EknAd könnte die Krankheit durch einen Zeckenbiss verursacht worden sein. Doch wurde dies durch Untersuchungen als negativ bestĂ€tigt, sofern die Zeitspanne zwischen eventuellem Biss und dem Ausbruch der Krankheit nicht zu groß war, bzw den dann folgenden Untersuchungen.
    Schwierig an diesem Thema und vielen anderen Erkrankungen ist auch, daß viele Krankheiten oft die gleichen Symtome und Auswirkungen haben, doch ursĂ€chlich ganz anderer Herkunft sind. Beispiele hierfĂŒr gibt es genug. So fand ich vor kurzem eine Reportage im Fernsehen ĂŒber SchlaganfĂ€lle im Durchblutungssystem der Augen interessant, die unbehandelt innerhalb von einem bis zwei Tagen zur Erblindung fĂŒhren können, die SchlaganfĂ€lle und Verengungen der BlutgefĂ€ĂŸe jedoch als Ursprung eine EntzĂŒndung im Ohrbereich haben. Ich kann den genauen Zusammenhang hier und jetzt nicht mehr wiedergeben, zumal es sich auch um ein anderes Thema handelt.
    Jedenfalls entscheidet viel zu oft "Kommissar Zufall" ĂŒber die zielgenaue und richtige Behandlung von Erkrankungen, oder, daß die behandelnden Ärzte zufĂ€llig genau in der jeweiligen Erkrankung eine Fortbildung machten, oder sich selbst durch Literatur, Internet, Medien weitergebildet haben. Speziell ist dies bei seltenen Krankheiten, die jedoch Symtome von hĂ€ufigeren Krankheiten zeigen, der Fall.
    Deshalb sollten die Patienten darum bitten, daß Mediziner, Therapeuten, Fachpersonal bei der Diagnose in alle Richtungen forschen sollen und sich aus ZeitgrĂŒnden, oder Bequemlichkeit, nicht auf die erstbeste Diagnose festlegen.
    Zu EknAd's Erkrankung: Dir geht es wohl hauptsĂ€chlich darum die GrĂŒnde und genaue Ursache fĂŒr deine Erkrankung zu finden und gleichzeitig Mittel und Wege zur bestmöglichen Heilung zu finden.
    Zu der Ursache, von meinem unqualifizierten Horizont aus gesehen, denke ich, daß nur Du weisst was in dem doch ziemlich großen Zeitraum geschehen ist, in dem Du dich infiziert hast bis zum Ausbruch der Krankheit. Du weisst was Du gerne isst, trinkst, und tust. Grade bei seltenen, oder gar exotischen Nahrungsmitteln mĂŒsstest Du mal genauer hinschauen. Man sieht ja auch beim aktuellen Ebola-Ausbruch in West-Afrika, wie schnell man sich in der heutigen, global vernetzten, Infrastruktur anstecken kann. Heute ist man in Afrika, paar Stunden spĂ€ter in Europa.
    Aber, selbst wenn Du die genaue Ursache kennst, das wichtigste ist trotzdem wie es weitergeht, welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Ich wĂŒrde das Internet abgrasen an deiner Stelle, obwohl man genau aufpassen und unterscheiden muss, welche Information wahr und gut ist und was falsche Infos sind, oder solche die mit vielen Worten gar nix sagen. So wie ich jetzt. Ich hoffe, und wĂŒnsche Dir von Herzen, daß Du die Informationen und Hilfen bekommst, die Du brauchst.
    Interessant finde ich noch den menschlichen Aspekt, den Du angeschnitten hast. Ja, leider gibt es zu viele verlogene Menschen, oft auch im familiĂ€ren Umfeld, wie Du von deinem Mitpatient geschrieben hast, aber es ist an jedem selbst, ob man sich falsche Kritik reinzieht, ĂŒberhaupt erst zulĂ€sst, und sich nicht besser andere Menschen sucht, die gut fĂŒr einen sind.
    Zum GlĂŒck hast Du dein Engel, der fĂŒr dich da ist, und in Dir hatte dein Mitpatient ja einen menschlichen Freund, der ihm Hoffnung und Kraft gab.
    Viele GrĂŒsse an alle...

  • Zu Jumbo1: Ich bin verwirrt. Meine Diagnose lautete: LymphozytĂ€re Meningoenzephalitis OHNE Erregernachweis. Wie geht das?


    Zu Lotta: Puh, da mĂŒsste ich jetzt einen ganzen Leitz-Ordner durchkĂ€mmen um dir eine genaue Antwort liefern zu können. Ich will dir einen groben Überblick geben, so wie ich es noch in Erinnerung habe. Vieles davon hat mir mein Engel nach dem Aufwachen in unzĂ€hligen Schulblöcken ĂŒbermittelt, da ich ja fast Taub war und Sprache nicht mehr verstanden habe. Zuerst wurde ich wohl mit Diazepam ruhig gestellt, weil ich gekrampft hatte (Status Epileptikus). Dann wurden meine Hirnströme gemessen, Irgendwann wurde ich dann mittels Propofol in ein kĂŒnstliches Koma versetzt. Weitere Untersuchungen waren dann Lumbalpunktion, also die Entnahme von RĂŒckenmarksflĂŒssigkeit, MRT und CT. Blut-Transfusionen. Ich bekam stĂ€ndig irgendwelche Antibiotika (Aciclovir war dabei). Irgendwann haben dann einige Organe versagt und ich musste kĂŒnstlich beatmet werden (Luftröhrenschnitt), kĂŒnstlich ernĂ€hrt und intensiv ĂŒberwacht werden. Ich bekam Mittel gegen Epilepsie, fĂŒr die Nieren was, gegen Bluthochdruck, MCP fĂŒr den Magen und abends Melperon. Das war wohl dann auch die schwerste Zeit fĂŒr mich und meine Angehörigen. Mein Engel und meine Eltern wurden darĂŒber informiert dass ich eventuell nicht mehr aus dem kĂŒnstlichen Koma aufwachen könnte und, falls ich das ĂŒberlebe, mit geistigen Einbußen zu rechnen sei. Mein Engel musste irgendwas unterschreiben, womit sie ihr EinverstĂ€ndnis gab, dass ich im Falle eines Herzstillstandes wieder reanimiert werden sollte, oder so Ă€hnlich. Mein Leben stand auf der Kippe. Es wurde mehrmals die Aufwachphase eingeleitet indem das Propofol reduziert wurde. Ich wurde nur langsam wach, aber irgendwann war ich wieder da und ich dachte zuerst ich wĂ€re in Russland (die ersten Pfleger die ich sah, sahen irgendwie russisch aus und mir war kalt und ich hatte schwere Decken auf mir liegen) und wundert mich wie zum Geier ich nach Russland gekommen bin. Ich lag aber in Falkenstein in der Asklepios-Klinik. Ich dachte auch lange es gĂ€be einen unterirdischen Geheimgang von meinem Heimatort bis in das russische Krankenhaus. Naja, ich war halt anfangs noch gut benebelt und hab phantasiert. Alle haben mich freudestrahlend begrĂŒĂŸt und mir behutsam die Situation erklĂ€rt. Ich war geschockt. Musste ich doch lesen, dass ich eine EntzĂŒndung im Gehirn hatte und ich 11 Wochen im Koma lag. ICH, der ich vor 12 Wochen noch putz munter war. Langsam wurde mir mein hilfloser Zustand bewusst. Ich konnte nichts mehr. Lesen ging gerade noch so. Ich sah viel doppelt. Schreiben ging nicht mehr. Ich wußte nicht mehr wo links und rechts ist. Gehört habe ich nur sehr wenig. Sprache hab ich nicht verstanden. Laufen ging nicht mehr. Meine KrĂ€fte waren so gut wie weg. Gleichgewichtssinn, weg. Selbst anziehen unmöglich. Als ich das erste mal in den Spiegel schaute hats mich nochmals geschockt, ich war nur noch Haut und Knochen, sah total fertig aus. KZ-HĂ€ftling kam mir in den Sinn, so sah ich aus. Die Ärzte haben mich noch mal auf den Kopf gestellt und alle obigen Untersuchungen, bis auf die Liquorpunktion, nochmals gemacht und mir dann bestĂ€tigt dass mein Zustand wieder stabil ist, ich aber jetzt viel Geduld brauche um wieder auf die Beine zu kommen. Mit einem Jahr REHA sollte ich mich schon mal anfreunden. Die hat dann auch gleich in der Asklepios angefangen. Ich habe anziehen geĂŒbt, wurde mobilisiert, das heißt in den Rollstuhl verfrachtet, AugenĂŒbungen gemacht (das linke Auge war langsamer wie das rechte), meine kognitiven FĂ€higkeiten wurden in gang gesetzt, Feinmotorik in gang gesetzt, Orientierung auch in Bezug auf den eigenen Körper, Gruppengymnastik, Physiotherapie, auch mal Mensch Ă€rger dich nicht gespielt :-) , psychologische Tests (mein Engel wurde gefragt ob ich mich menschlich irgendwie verĂ€ndert hĂ€tte. Dem war Gott sei dank nicht so), LogopĂ€die (also schlucken wurde ĂŒberprĂŒft, indem ich Apfelmus und Jogurt essen durfte), dann kam die Magensonde raus, mein Gehör wurde untersucht und es wurde mir im Anschluss eine Cochlearimplantation empfohlen, die ich auch in diesem FrĂŒhjahr habe machen lassen, langsam kam ich wieder auf die Beine. Ich lief allerdings wie ein Betrunkener und musste mich wo es nur ging abstĂŒtzen. Dann kam Krafttraining dazu. Also Gewichte stemmen und Fahrrad fahren. Kein echtes Fahrrad, sondern so ein Ding das fest auf dem Boden steht und man trotz in die Pedale treten irgendwie nicht vorwĂ€rts kommt. Dann kam vermehrt Krankengymnastik hinzu, also laufe, laufen laufen. Erst nur wenige Schritte, aber langsam immer mehr. Voll anstrengend. Aber wie eine meiner Therapeutinnen so schön und wahr sagte: Laufen lernt man nur durch laufen. Sie war es auch die mich in so eine Art Geschirr gesteckt auf einem Laufband laufen lies. Klasse Idee fand ich. Da fallen mir zwei Patienten ein die QuerschnittsgelĂ€hmt waren. Die liefen mir manchmal ĂŒber den Weg. Ja echt, die liefen. Allerdings in ein Exoskelett gepackt. immer wenn ich die sah hab ich nur noch gestaunt was unsere Technik heute alles leistet und mir heimlich gedacht: demnĂ€chst gehöre ich auch zu diesen Borgs :-) (CI-Implantat). Ein paar Wochen spĂ€ter wurde ich in die nĂ€chste Asklepios-Klinik verlegt, scheinbar habe ich mich sehr schnell wieder regeneriert. In der nunmehr letzten Etappe meines fast halbjĂ€hrigen Krankenhausaufenthalts habe ich dann endlich wieder laufen gelernt. Die haben mir dort, wieder nach ein paar Wochen, einfach den (fast schon geliebten) Rollstuhl einfach weggenommen und mir den doofen Rollator in die Hand gedrĂŒckt. Obwohl, der Rollator hat mich so dermaßen motiviert, ohne dieses Hilfsmittel aus zukommen, dass es ab da eigentlich recht schnell ging und ich dann endlich entlassen wurde. Mittlerweile stand mir das Krankenhausdasein bis zum Hals und ich wollte so schnell wie möglich wieder nach Hause. Man stelle sich vor: wegen meist nur anderthalb Stunden tĂ€glicher Reha, außer am Wochenende, musste man den ganzen Tag im Krankenhaus bleiben. Am Ende durften wir wenigstens Freitags nach Hause und mussten Sonntags wieder da sein. Mittlerweile habe ich mit Hilfe meines Neurologen die Epilepsie-Medikamente abgesetzt und bin gerade dabei mit Hilfe meines Hausarztes die Blutdruckmedikamente abzusetzen. Übrig bliebe dann nur noch die eine Pille fĂŒr meine SchilddrĂŒse. Die werde ich aber wohl weiter nehmen mĂŒssen. So hab ich es jedenfalls verstanden. Derzeit mach ich zwei mal die Woche KG und zwei bis drei mal die Woche LogopĂ€die um das hören mit dem CI zu trainieren. Verstehen kann ich auch schon wieder, allerdings nicht ganz so gut wie ein normal hörender. Ich muss sagen, die RĂŒckschau hat gut getan. Falls noch fragen sind, bitte sehr.

  • Ich grĂŒĂŸe dich EknAd, deine Leidensgeschichte hat mich sehr berĂŒhrt und es tut mir leid das diese Erkrankung noch nicht richtig erforscht ist. Du hast vieles durchgemacht, auch deine Familie. Um so schöner ist zu hören, das es langsam vorwĂ€rts geht. Ich wĂŒnsche Dir von ganzen Herzen gute Besserung und alles erdenklich Gute, verliere nicht den Mut, auch wenn es manchmal schwer fehlt, du bist auf den Weg der Besserung und langsam wird alles wieder gut, du bist ein KĂ€mpfer und hast deinen lieben Engel an deine Seite, der dich super unterstĂŒtzt.
    Dein schweres Schicksal bedeutet auch einen neuen Anfang. Ich wĂŒnsche dir gute Genesung und viel Kraft fĂŒr einen
    weiteren Lebensweg. Lasse dich nicht unterkriegen, hab Geduld, denn Heilung braucht Zeit. Alles Liebe möge dich immer begleiten. LG

    "Wenn ein Mensch deine Seele berĂŒhrt, wird dein Verstand ihn niemals löschen können"

  • Zu Jumbo1: Ich bin verwirrt. Meine Diagnose lautete: LymphozytĂ€re Meningoenzephalitis OHNE Erregernachweis. Wie geht das?


    Da wÀre jetzt ein virtuelles Schulterzucken angezeigt.
    Ich habe einen Blick in meine Kristallkugel geworfen, aber das werden wohl die Ärzte wissen warum dies bei Dir so ist/heißt.
    Möglicherweise haben alle anderen Symptome und Begleiterscheinungen darauf verdichtend hingewiesen


    Es gibt auch so etwas wie Ausschlussdiagnosen. Ich schließe alles aus was es nicht oder am wenigsten sein kann.
    Das was ĂŒbrig bleibt, ist der Haupt-Preis
    Genau genommen kommt das in bestimmten Bereichen (bedauerlicherweise) recht hÀufig vor.
    Und sie wissen auch welche/welcher Erreger es sein sollten, haben ihn aber nicht mehr gefunden, auch dies passiert


    In meiner FakultÀt kommt das vor z.B in Bereichen der Schizo-Affektiven oder Bipolaren Erkrankungen, wie auch bei ADS/ADHS vor
    Wenn die Symptome und Störungsbilder nicht eindeutig zu klÀren oder voneinander zu trennen sind oder sich verschieben u.a
    Dann kommen Differential- und Ausschlussdiagnosen zur Anwendung
    Nicht immer zufriedenstellend


    J.