Kleine globale Welt - Betteln, Bitten und Anliegen im Internet

  • Mittels Internet erleben wir hautnah die Probleme dieser Welt.
    Wir sind mittels Chat und Email-Portalen gewollt oder eher ungewollt so nah an den sozialen und weltpolitischen Brennpunkten, daß wir uns den Menschen und ihren vielschichtigen Problemen nur schwer entziehen können. Wir tauschen uns mit Menschen aus einem sozialen oder politischen Krisengebiet aus und sind sofort involviert in dessen Umfeld, ob wir wollen oder nicht.
    Liebe Besucher und Freunde.
    Soeben hatte ich ein Gespräch mittels PN im Yahoo Chat mit einem Afrikaner, was mich zutiefst in meiner Seele traf und mich getroffen hat.
    Ich wusste was mich erwartet, und doch ließ ich mich darauf ein, vielleicht auch nur deshalb, weil ich mir selbst beweisen wollte, daß ich meine Augen vor den Nöten unserer Welt und den Problemen der Menschen nicht verschliessen will.
    Die PN (Persönliche Nachricht) von dem Mitbenutzer des Chatraumes traf mich, wie immer, plötzlich und unvermittelt. Er begann unscheinbar mit "Hallo", dann "Haben Sie kurz Zeit?", ich antwortete "Hallo" zurück, dann war ich drin !
    Batsch, "Können Sie mir helfen bitte". "Ich brauche dringend ihre Hilfe".
    Jetz gab es kein Entrinnen mehr. Obwohl ich dieses Prozedere schon zig-mal erlebt hatte, schon x-mal solche Nachrichten weggeklickt und keinen Gedanken daran verschwendet hatte, diesmal wollte ich es wissen.
    Gesagt, getan, höflich und auf gleicher Augen-und Respektshöhe ging ich tapfer auf die Probleme eines Menschen ein, den ich niemals verachten, mich schon gar über ihn lustig machen, oder auf ihn herabschauen werde. Niemals. Denn die Würde jedes Menschen ist unantastbar.
    Das lebe ich, mein Leben lang.
    In Stichpunkten will ich das Gespräch wiedergeben. Herr X aus Nigeria, teilte mir mit dass er 22 Jahre alt und aus Nigeria sei, im Goethe Institut studiert habe, es stellte sich aber im weiteren Verlauf heraus, dass es doch nur eine mittlere Reife war, die er erworben hatte. Doch das ist unwichtig.
    Sein Anliegen, fast einem Amtsbesuch gleich vorgetragen, war folgendes, er hat eine Einladung mehrerer Universitäten bekommen und brauche zu seinem Glück nur noch eine von mir unterzeichnete Erklärung, deren genau Bezeichnung mir leider entfallen ist.
    Sinn und Kernpunkt seiner Bitte liegt einzig darin, daß ich entweder zur Deutschen Botschaft gehe oder, besser, mir diese Erklärung, die meines Wissens eine Bürgschaft meiner Person ist, daß er hier in Deutschland leben und studieren kann, ausdrucke, auf jeden Fall unterzeichne. So würde ich dem Mann die Gelegenheit geben in Deutschland zu arbeiten und zu studieren.
    Wieder und wieder entgegenete ich ihm freundlich und doch bestimmt, daß wenn er eine Aufenthaltsgenehmigung und Einladung einer deutschen Universität hat, sich diese auch um alles sonstige kümmert.
    Vehement sagte er, dies wäre falsch. Die Uni stellt diese Verzichterklärung nicht aus, er brauche eine Erklärung von einer in Deutschland lebenden Person.
    Ich solle googeln, d.h. eine Internet Suchmaschine benutzen, oder aber die Deutsche Botschaft anschreiben, dann würde mir gezeigt, daß er einerseits die Wahrheit spricht und andereseits ich diese besondere Erklärung gleich ausfüllen.
    Traurig teilte ich ihm mit, daß ich dies nicht tun werde, weil ich nicht für jemand Fremdes bürgen werde oder gar zu mir nach Hause einladen.
    Er versprach mir voller Inbrust, er werde dann gut arbeiten und studieren, weil er mit einem Studium in Europa oder Amerika auf der ganzen Welt die besten Chancen hat eine gute Arbeit zu finden.
    Ich spürte, daß er, ich nannte ihn übrigens "mein Freund" um mich nicht über ihn zu stellen, nahezu verzweifelt die Chaträume durchforstet, Tag für Tag, sofern es seine finanziellen und zeitlichen Mittel es ihm gestatten. Wieder und wieder dieses gleiche hoffnungslose Anliegen jedesmal anderen Menschen, Fremden, vortragen. Hoffen und Bangen auf einen hilfsbereiten Menschen, der für seinen Aufenthalt im reichen Deutschland, das für jeden und alles Geld und Mittel hat, diese Bürgschaft unterzeichnet und ihm den Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft sichert.
    Doch nicht auf diese Weise. Ich erklärte ihm mehrmals, daß er sich an die Universität in Deutschland, die ihm angeblich das Studium erlaubt, und auch finanziert, sowie ihm Wohnraum im Campus zusichert, wenden solle, notfalls wieder und immer wieder um seinen Herzenswunsch zum Erfolge zu führen.
    Ich erzählte ihm, wie schlecht es den Menschen in Deutschland geht, abgezogen von dem Euroschwindel, gleiches Geld für Lohn und Arbeit, aber doppelte Preise in nur 5 Jahren, höhere Kosten für Lebenshaltung, Gesundheit und Wohnen. Nein, mein guter Mann aus Nigeria. Diesmal war ich es, der voller Inbrust und Wut, unser neues Jahrtausend, unser Schlaraffen-Millenium, vortrug und ihm sagte, daß es die letztens 20 Jahre reell gesehen, eigentlich nur noch bergab geht. Kaschiert von unseren doppelzüngigen Politikern, wie Kohl, Schröder, Merkel, Ypsilanti, die uns durch Augenwischerei noch verhöhnen, weil sie und alle wissen, daß es unserem geliebten Deutschland nur noch schlechter geht. Die deutschen Firmen entwickeln Hightech, zahlen Milliarden in Entwicklung von Pharma und technischen Wunderleistungen, ja und, die asiatischen Ländern, allen voran China bauen es einfach billig nach und schröpfen die Gewinne an, die eigentlich zurück an die Entwickler fliessen müsste.
    Mein Freund aus Nigeria, war ein wenig verwundert, er fragte mich, ob und was ich studiert hätte. Ohne Spass und Übertreibung entgegenete ich, "ich bin nur Mensch mein Freund, erzogen und geformt vom Leben".
    Nun, kurze Verschnauf-und Besinnungspause...ich sagte ihm noch, daß ich einfach die Dinge beim Namen nenne und daß ich zu Gott bete, daß er ihm hilft, weil ich selbst erlebte, wie und das er hilft.
    Mein afrikanischer Gesprächspartner erwiederte mir gerissen, "wenn Dir Gott geholfen hat, so kannst Du mir ja auch helfen". Ich sagte ihm, daß ich nicht Gott bin, und dass er versuchen solle es über die Universitäten oder über die Deutsche Botschaft in seinem Lande zu schaffen. Er solle den offiziellen Weg gehen.
    Er meinte, sein Kollege sei schon in Frankfurt am Main und studiere dort, warum ich ihm nicht helfen würde, daß er das auch tun kann.
    Ich sagte ihm wieder, daß mein bewegtes Leben schon andere Afrikaner gekreuzt haben, ich die Probleme seines Landes bedauere, zu verstehen versuche und kritisiere. Zwischendurch wünschte er mir, daß ich in seinem Land wohnen würde. Darauf antwortete ich, ich wünsche mir niemals in deinem Land zu leben.
    Aber ich wünsche mir, daß Du und deine Landsleute euch erhebt und kämpft, kämpft, kämpft und die reichen Politiker von ihren selbstsüchtigen Posten jagt, weil sie sich mit goldenen Wasserhähnen an dem Geld, daß das Volk am meisten braucht bereichert. Stets versucht jede Elite eines Landes oder Kultur ihre Macht zu stärken und unangreifbar zu machen, und sie niemals zu teilen. Selbst in der Demokratie bestimmt irgendwann nur noch das Geld, die grossen Schwüre bei Amtsaufnahme werden als Sentimentalitäten abgetan. Doch ich als Christ sage und meine, hört, wer auf Gott schwört, sollte wissen worauf er schwört. Gott ist kein weiser alter Mann, der im Himmel sitzt und zu allem Ja und Amen sagt. Derjenige hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
    Ebenso mein neuer Freund aus Nigeria, Afrika, der nur auf die Hand, die ihn ernähren und bilden wird vertraut und nicht auf die Hand die ihn, sein Volk, das Wissen, die Ökonomie und alles was erschaffen ist, nämlich Gott. So, müssen wir alle mit den Konsequenzen unseres Handelns leben. Die Verantwortung unseren Mitmenschen gegenüber sollten wir tragen, nicht jeder allein, sondern gemeinsam. Wir brauchen keinen Sozialismus, sondern wieder soziales Denken, aber in Zukunft weltumspannend, global. Nicht die eigenen Fehler auf negative, globale Entwicklungen abschieben, sondern gemeinsam das Anpacken, was wir gerne unseren nachfolgenden Generationen überlassen hätten.
    Liebe am Menschen strahlt stets zu Dir zurück.
    Nun, so tief gingen mein afrikanischer Freund und ich auch nicht in unser Gespräch, daß sich von seiner Seite sowieso immer wieder auf "willst Du mir nicht helfen?" reduzierte.
    Ich hätte ihm wirklich gerne geholfen, habe ich das nicht auch, indem ich ihm sagte er soll den offiziellen Weg gehen, da ich selbst keine Mittel habe einen Fremden aus einem ganz entfernten Teil unserer Welt, dem es gemeinerweise gelang durch das Wunder unseres Fortschritts, Internet, seine hilfesuchende Situation, in mein Wohnzimmer, tief hinein in meine Seele und mein Verantwortungsbewusstsein zu tragen.
    So zeigt dies und einmal mehr, daß unser geliebtes Internet auch interessante Begleiterscheinungen hat, wir verschmelzen zu einer Welt, nah und doch ganz fern. Es obliegt jedem einzelnen von uns ob er sich den Schatten stellt und wir daraus etwas gemeinsames, grosses schaffen. Vielleicht globale Geburtenkontrolle, jedoch niemals selektives Auswählen genetischer Vorzüge und Nachteile, Wissensaustausch und eine Welt, inder die einen Länder unser Essen produzieren, es ihnen aber genauso gut geht wie die Länder, die die Technik dazu liefern.
    Global und mit Gottes Hilfe, davon bin überzeugt und bete dafür.


    P.S.: Nachdem sich das Gespräch immer wieder am selben für ihn erfolglosen Punkt zerwarf, ging mein neuer Freund kurz darauf wieder hinaus in die Weiten des Internets, mit der Begründung, wie so oft, "ich muss jetzt gehen..". Doch ich stellte fest, daß wir uns gegenseitig etwas geschenkt hatten. Ich durfte ihm die Erkenntnis schenken, daß es uns im reichen Deutschland zwar immernoch weitaus besser geht als vielen anderen Ländern, doch auch, daß bei uns schon lange kein Milch und Honig mehr fliesst. Er wiederum liess mich in der Erkenntnis zurück, daß wir anfangen müssen uns auf eine Welt globalen Ausmaßes einzustellen. Eines Tages vielleicht, werden wir die verzweifelten Bittsteller sein und genau dort wo er wohnt wird Milch und Honig fliessen...