Sucht Ⅰ - Vom Verlangen bis zum Entzug

  • Hallo an alle,
    da zum Thema jetzt des öfteren ausfĂŒhrlich geschrieben wurde und dabei einige selbstgestrickte wilde Thesen und Philosophien ĂŒber Umgang, Auswirkung und Entwicklung aufgetaucht sind möchte ich heute mal einen kleinen Exkurs mit fundierten und substanziellen Details liefern.
    Markus, du hattest das schnell auftauchende und starke Verlangen beschrieben. Das ist, wie gesagt, kein Mysterium sondern ein nachvollziehbarer bio-chemischer Prozess, den zu kennen und zu verstehen unter UmstÀnden hilfreich ist
     
    Beim Verlangen handelt es sich im wesentlichen um Lernen durch Belohnung. Und das spielt sich in einem besonderen Gehirnareal ab: dem Belohnungssystem. FĂŒr Alkohol und Kokain liegt der Schwerpunkt im mesolimbischen Areal ungefĂ€hr zwischen Hypothalamus und Amygdala.
    Dieses hat eine sehr wichtige Funktion: Werden existenzielle BedĂŒrfnisse wie Essen, Schlafen befriedigt, fĂŒhrt dies zu Wohlbefinden. Daraufhin schĂŒtten die Nervenzellen im Belohnungssystem vermehrt Dopamin aus. Dopamin ist einer von mehreren Botenstoffen, mit dem die Nervenzellen untereinander kommunizieren. Aufgabe des Dopamins ist es, unsere Aufmerksamkeit auf die Reize zu lenken, deren Befriedigung zu Wohlbefinden fĂŒhrt.
    Es markiert also die entsprechenden Reize als besonders "wichtig".


    Das Entstehen des Verlangens basiert auf einer Fehlsteuerung des Belohnungssystems. Dort wird immer eine gewisse Basismenge an Dopamin ausgeschĂŒttet. Drogen erhöhen diese AusschĂŒttung zum Teil dramatisch. Das bedeutet: Wird beispielsweise Alkohol getrunken, fĂŒhrt das kurzfristig zu Wohlbefinden. Aufgrund dieses Wohlbefindens schĂŒtten die Sender-Nervenzellen im Belohnungssystem etwa 200 Mal mehr Dopamin aus als normalerweise. Diese hohe Dopaminmenge dockt an speziellen Stellen der EmpfĂ€nger-Nervenzellen an, den sogenannten Rezeptoren. Damit ist das von einer Zelle zur nĂ€chsten Zelle weitergeleitete Signal sehr viel stĂ€rker als ĂŒblich. Durch dieses verstĂ€rkte Signal lernt das Gehirn relativ schnell, eine Alkoholflasche oder ein Weinglas als sehr wichtigen Reiz wahrzunehmen.


    Nach einer Weile reagieren die Nervenzellen gegen diese Dopaminflut, indem die Zahl der Rezeptoren reduziert wird. Sind nicht so viele Rezeptoren vorhanden, kann auch nicht so viel Dopamin andocken. Das fĂŒhrt zu einer AbschwĂ€chung des weitergeleiteten Signals.
    Da sich das Gehirn aber bereits an stÀrkere Signale gewöhnt hat, empfindet es so etwas wie ein Belohnungsdefizit.
    Sprich: Der Mensch bekommt Verlangen nach der jeweiligen konsumierten Droge.
    All dies sind vollautomatische Regulierungsprozesse auf die Du zuerst und weitesgehend gar keinen Einfluss hast.


    Aber nicht immer wird aus Verlangen dann auch auch eine Sucht, wie sich das verhÀlt und was es dazu braucht behandele ich spÀter.



    J.

  • Hallo Jumbo,
    das finde ich toll was Du uns ĂŒber Sucht, dem Verlangen nach Suchtmitteln, und deren bio-chemischer HintergrĂŒnde erklĂ€rst. Das rĂŒhrt mich direkt. Denn Deine Abhandlung ĂŒber SĂŒchte ist genau der Puzzlestein, der zumindest mir noch gefehlt hat. Ich kann es ja nur aus Sicht des SĂŒchtigen beschreiben, aber, warum es passiert, das habe ich stets gerne wissen wollen. NatĂŒrlich habe ich zeitlebens alle wissenschaftlichen Berichte in BĂŒchern, Magazinen (wie P.M. = Peter Moosleitners wissenschaftliches Magazin), Fernsehen, Radio, und Internet aufgesaugt um die ErklĂ€rungen dafĂŒr zu finden. Aber Du als Spezialist und studierter Kenner der Materie schreibst es so locker, leicht verstĂ€ndlich, und dabei noch wissenschaftlich fundiert, das beeindruckt mich zutiefst.
    Werde es gerne versuchen auf meine Sucht zu spiegeln um es vollends zu verinnelichen und den Kreis ein StĂŒck mehr zu schliessen.
    Doch freue ich mich auf den 2.Teil, bzw die weiteren Teile deines Wissens.
    Schon jetzt kann ich zustimmen, bestimmt nicht nur ich, sondern auch andere, die zu tief ins Glas geschaut haben, oder anderen Suchtmitteln gefröhnt haben, die Macht die einen da zieht ist von gewaltiger Natur. Das dies ganz spezifische Reaktionen im Gehirn sind, das ist genau die ErklÀrung.
    Einem Bekannten von mir hat ein Gutachter in einem Gerichtsprozess, wo es um Autofahren unter dem Einfluss von Alkohol, Crack, und Methadon ging, gesagt, daß bei diesen Drogen im Körper und Gehirn eine ganz neue Droge gebildet wird. Sozusagen chemisch eine neue ganz eigene Droge gebaut wird, die so auf das Gehirn und die Wahrnehmung des Menschen wirkt, daß er sich ganz anders verhĂ€lt, als jeweils nur mit Alkohol, Crack, oder Methadon. Es ist erschreckend und faszinierend zugleich wie stumpf und urzeitlich die chemischen Reaktionen im Gehirn ablaufen, denen wir ausgesetzt sind, auch ohne Suchtmittel, die wir aber fĂ€lschlicherweise meinen beherrschen zu können.
    Da spielen Willen und StÀrke keine Rolle, es geht nur um Ursache und Wirkung.

  • Guten Morgen, Jumbo,
    da ich Deine Kompetenz schÀtze und ehre, ja mich sogar von deinen Hilfen leiten lasse, will ich Dich gerne etwas zur Sucht fragen.
    Ganz einfach gefragt: Wie kann ich diesen Teufelskreislauf der Gier nach Belohnung, diese Gier und Lust, die ich wahrhaftig schon selbst am eigen Leib spĂŒrte, und ihr leider, wie Du weisst, sogar schon einmal erlegen bin, durchbrechen?
    Kurz gesagt, oder gefragt, falls es darauf ĂŒberhaupt eine wissenschaftliche, therapeutische, hilfreiche Anwort gibt, da ich weiss wie schier unbezwingbar Sucht im Menschen verankert sein kann, wie kann man dem erfolgreich entgegenwirken?
    Was kann man, oder ich, tun um die Belohnungsgier aus dem Kopf zu verbannen, wenigstens zu dÀmpfen, oder unwirksam zu machen?
    Ich wĂŒnschte mir sehr, Du hĂ€ttest Zeit und Lust um Wissbegierigen, SĂŒchtigen, und Co-AbhĂ€ngigen (MitabhĂ€ngigen, Partnern, Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten von SĂŒchtigen) eine wenigstens kleine Hilfe an die Hand zu geben.
    Ich weiss ja, in einem Forum ist kein Platz fĂŒr personenorientierte Beratung, zumal nicht auf meine Person, doch spĂŒre ich den Drang von vielen mehr darĂŒber zu erfahren. Menschen heutzutage wollen keine BĂŒcher wĂ€lzen, entweder von Drogenhassern, oder Drogenverherrlichern, wie noch vor zwanzig Jahren, wo es nur schwarz oder weiss, ja oder nein, gab.
    Hier wÀre eventuell doch ein Ort um Menschen wenigstens eine kleine Hilfe anhand zu geben, wohin die Reise gehen kann.
    Bin grade wieder einmal in Berlin, sehe dort verwahrloste, sĂŒchtige Menschen auf den Strassen, aber auch die riesige Kraft der Gesundung, Heilung, den Einklang des Menschen mit der Natur, Bewegung, und der Seele. Diese Fragen von eben bewollte ich Dir schon lange stellen...Hoffte Du machst ein Heilungs-Blog, oder Wissens-Blog daraus, obwohl ich weiss, daß Du beruflich und im Leben wichtigere Dinge zu tun hast.
    Viele GrĂŒsse Dir, Jumbo
     :klatsch:

  • Hallo Chesed
    zuerst einmal Danke fĂŒr die Blumen.
    Ändert aber nichts an der Tatsache dass alles was Du, völlig zurecht, an- und auffĂŒhrst, so nicht wirklich zu machen ist.


    Da ist weniger der Zeitfaktor oder das Interesse, sondern die Tatsache, dass sich die ZusammenhÀnge und Notwendigkeiten
    sehr schwer darstellen lassen. Schon in der realen Welt und im virtuellen Raum sowieso.
    Es gibt eine Menge wissenschaftliche, therapeutische und auch andere hilfreiche Antworten
    Aber wo anfangen?
    Die Wege in die Sucht, die Faktoren fĂŒr das Verbleiben in diesem Zustand, die Implikationen fĂŒr das VerstĂ€rken, wie auch die
    Wege aus der Sucht sind so vielfĂ€ltig. Es ist faktisch unmöglich das allgemeingĂŒltig darzustellen.
    Es gibt keinen Königsweg.
    Und ich arbeite teilweise in der SuchtprÀvention und weiss wie es aussieht.
    Aber es gibt, da hast du Recht, eine Menge Schamanen und Heiler, die dies behaupten und Lösungen und Konzepte anbieten.


    Wenn Du in Berlin ein paar verwahrloste Menschen siehst, dann siehst Du nur einen winzigen Ausschnitt.
    Wesentlich mehr Menschen leben in (noch) sozial abgesicherten VerhÀltnissen und weigern sich zu erkennen dass sie ein Problem haben.
    Die wirst Du mit diesen Botschaften gar nicht erreichen.
    Und die anderen werden dies auch nicht lesen.
    Es gibt zwar eine Menge Kandidaten, aber keine Adressen.


    Nein, das BedĂŒrfnis Menschen durch das VerkĂŒnden irgendwelcher Botschaften und Infos UnterstĂŒtzung zu gewĂ€hren oder gar von einer Sucht-Karriere abzuhalten, ist völlig unrealistisch.
    Von daher gÀbe es auch nie einen Heilungs-Blog von mir, denn es gibt keine richtige Heilung.
    So etwas zu behaupten wÀre unseriös.


    Pro und Contra gab es nicht nur frĂŒher, das gibt es heute auch noch. Da hat sich nicht viel geĂ€ndert.
    Ich nenne sie immer die Substanzfaschisten :D


    Und die Aussage, dass ich im Leben wichtigeres zu tun habe ist relativ.
    Schließlich beschĂ€ftige ich permanent damit und verdiene mein Geld, also.......wĂ€re das so nicht haltbar.


    Wenn mir etwas vernĂŒnftiges einfĂ€llt, mit dem ein Thread eröffnet werden könnte, werde ich das schreiben.
    Allerdings haben die bisherigen AusfĂŒhren, z.B. ĂŒber Verlangen und Sucht nicht viel Resonanz erzeugt, dass sollte
    Dir doch Dokumention genug sein.
    Zeit ist immer da und zu machen. Aber es gibt nichts was ich mehr ablehne als meine Zeit zu verschwenden.
    In dem Punkt bin ich sehr verspannt :S


    Lass es Dir gut gehen in Berlin und GrĂŒĂŸe an...Du weißt schon wen


    Jumbo

  • Hallo Jumbo,
    ich danke Dir von Herzen fĂŒr deine Antwort, deren Inhalt ich voll und ganz zustimme.
    Ja, leider gibt es keinen Königsweg bei der Behandlung von Sucht und deren Entwicklung.
    Meine persönlichen Gedanken dazu wÀren gewesen, dass man ganz spezielle biochemische Prozesse, die im Gehirn ablaufen und Sucht entstehen lassen, als auch verstÀrken, im besten Fall auch mit biochemischen Mitteln, wie Medikamenten, verhindern oder gar blockieren kann.
    Ich wusste erst durch deine AusfĂŒhrungen wie weit die Wissenschaft in der ErklĂ€rung dieser VorgĂ€nge schon ist.
    So dachte ich, dass man bei der Heilung von Alkoholsucht auch schon soweit ist, Ă€hnlich wie ich vor ĂŒber zehn Jahren beim Zahnarzt einen interessanten Artikel ĂŒber den russischen Arzt Dr. Zobin las, der heroinsĂŒchtige Soldaten vom Krieg aus Afghanistan heilt.
    Wobei Heilung stark untertrieben ist. Den Soldaten, spĂ€ter auch SĂŒchtigen aus der ganzen Welt, werden die Rezeptoren, die fĂŒr das Andocken von Opiaten zustĂ€ndig sind, durch ein Medikament regelrecht zerstört.
    Der Reporter war einer der ersten und wenigen die sich dies ĂŒberhaupt anschauen durften. In einer martialischen Behandlung, bei der es auch schon des öfteren zu TodesfĂ€llen kam, bleibt auch die Atmung kurz stehen. Der behandelte Patient stirbt sofort, wenn er wieder Heroin nimmt! Einige drehten nach der Therapie durch, einige verfielen dem Alkohol, einer wurde nach eigenen Angaben sexsĂŒchtig. Ich will hier keine Horrorgeschichten verbreiten, doch gibt es diese Behandlung.
    Der Reporter war ĂŒberwĂ€ltigt und schockiert zugleich. Der Arzt dort lehnte auch viele AbhĂ€ngige ab, die körperliche Konstitution muss noch sehr gut sein, da die Behandlung den Patienten in einen todesnahen Zustand versetzt. Hier ein Artikel in Die Welt ĂŒber Dr. Zobins Drogentherapie, es ist nicht der Originalartikel, den ich damals las, doch beschreibt er genau die gleiche Behandlung.

  • Hallo Chesed
    nun gibt es schon seit lÀngerem pharmakologische Möglichkeiten neuro-biologische Prozesse im Gehirn, auch im Zuammenhang mit Sucht, zu steuern,
    So kommen des öfteren Mittel zu Einsatz die das "Craving" also den Suchtdruck und das Verlangen reduzieren
    Das gibt es fĂŒr NMDA-Rezeptoren wegen Alkohol, wie auch fĂŒr Opiatrezeptoren
    Aber dies sind nur "KrĂŒcken" fĂŒr kurzfristige Akut-Interventionen und kann nie eine Dauerlösung sein
    Zumal es auch keine 100 % Sicherheit bietet, da es auch dort eine Tolanzentwicklung gibt


    Und was in einer Substitution ablÀuft, ist im Prinzip auch nichts anderes
    Das gleiche könnte auch bei Essstörungen und dem Verlangen nach SĂŒĂŸen zur Anwendung kommen (allerdings kenne ich da keine PrĂ€parate).
    Eine dauerhafte Heilung bzw. Stoppen wird dadurch nicht erzielt


    Der Betroffene muss nachhaltig lernen, die Sucht eigenstÀndig zu stoppen und damit zu leben
    Dazu gehört nun mal sein Leben umzustellen, Einsichten gewinnen, ZÀsuren zu machen und die konsequent zu leben.


    Alles andere ist nur VortÀuschung falsche Tatsachen


    J

  • Hallo Jumbo,
    sei gegrĂŒsst. Es wĂ€re auch zu leicht, zu einfach gewesen. GĂ€be es nur einen Hauch dieser Chance der Hilfe, dann wĂŒrden Millionen von sĂŒchtigen Menschen nach genau dieser Hilfe schreien, zumindest von denjenigen, die sich wenigstens ihre Sucht eingestehen.
    Ja, genau dieses Problem der Toleranzwirkung ist eines der grössten, wenn nicht gar das grösste bei der Suchtheilung, ganz besonders bei der Hilfe durch Substitution, oder durch kurzzeitige Verlagerung des eigentlichen Suchtmittels auf andere Medikamente und Suchtmittel.
    Diese Toleranz ist ein wahres Übel.
    Die Toleranzwirkung jedes Suchtmittels lÀsst den Menschen durch Gewöhnung nach immer höheren Dosierungen greifen. Der Körper, der Geist, die Seele, alle schreien: Heute brauche ich mehr als gestern um die gleiche Wirkung, den gleichen Kick wie gestern zu haben.
    Ein Teufelskreis, der zum Elend fĂŒhrt. Auch bei der Spielsucht, der Sucht nach Essen (Magersucht/Esssucht/Fresssucht) bei allen SĂŒchten.
    Und nun verstehe ich mehr und mehr was Du, lieber Jumbo, so ausfĂŒhrlich mit dem Belohnungssystem im gehirn beschrieben hast.
    Wir Menschen gieren nach mehr, es ist das Verhalten seit tausenden von Jahren, die Befriedigung der Lust nach Freude, Lust, Liebe, Macht, StÀrke, ja es sind die ehrgeizigen Elemente unseren Daseins.
    Ich kann mich gut erinnern als unsere Familie frĂŒher dreimal die Woche Waldlauf machte, kein Joggen, es war richtiges Rennen. Wenn wir Kinder nicht mehr konnten, oder wollten, sagte Vater immer, ihr mĂŒsst euren inneren Schweinehund bekĂ€mpfen. Ihr mĂŒsst stĂ€rker sein als er, dann ist es am Ende der Schinderei auch das grössere GlĂŒcksgefĂŒhl ihn besiegt zu haben.
    Er hatte recht. Und doch, wie konnte er, oder wir ahnen, daß dieser Ausstoss von Endorphinen eines Tages als Erwachsene kĂŒnstlich herbeigefĂŒhrte wurde, durch uns selbst. Die Gier nach dem GlĂŒck ist geblieben.
    Ich kann dies schwer erklÀren und werde es niemals bereuen sportlich den inneren Schweinehung zu besiegen, aber eine Doppelsinnigkeit ist dennoch geblieben.
    Viele GrĂŒsse und bitte mehr davon. Ich schwöre nichts, aber ich verspreche Dir, das Feedback zu deinen Themen wird Dir bald den Schlaf rauben, und ohne mein Zutun...


    Ultima ratio - Scientia potentia est


    Der letzte Ausweg - Wissen ist Macht

  • Hallo an Alle


    Wie schaffen es manche Menschen ohne fremde Hilfe aus ihren SĂŒchten herauszukommen? Ich kenne welche die nach Jahrzehnten des Nikotin- und Alkohol-Konsums von heute auf morgen damit aufgehört haben und jetzt noch, wieder Jahrzehnte spĂ€ter, ohne das geringste Verlangen danach sind. PS.: Da gibt es auch keine Suchtverlagerung.


    Ich hab da noch eine Frage. Wie kann ein Mensch danach sĂŒchtig werden?

  • Hallo EknAd,
    das ist wohl die schwierigste aller Fragen wenn es um Sucht, speziell Alkoholsucht, geht.
    Aus dem was ich aus Jumbo's ErklÀrungen lese, ist Sucht ein biochemischer Vorgang, der im Gehirn ablÀuft.
    Inwieweit der eigene Wille, das Suchtmittel nicht mehr zu konsumieren, Einfluss auf die biochemischen VorgĂ€nge hat, weiss ich auch nicht. Denn wenn die Chemie im Gehirn Sucht auslösen kann, mĂŒsste sie im Gegenschluß auch Sucht in positiver Weise beeinflußen können, idem der SĂŒchtige kein Alkohol mehr konsumiert.
    Im weiterem wÀre auch die Frage interessant, ob sich die von Jumbo beschriebenen VorgÀnge nur auf die Alkoholsucht beziehen, oder auch andere Suchtmittel, wie Drogen und Medikamente.
    Leider macht sich Jumbo1 die Tage rar. Das letzte was er schrieb war zu deinem Thema "Alles nur Illussion?".
    Vielleicht kommt er ja mal wieder und Àussert sich dazu, hoffen wir jedenfalls.

  • Guten Tag allen SĂŒchtigen, Abstinenten, und geregelten Trinkern/Trinkerinnen!


    Ich hab da noch eine Frage. Wie kann ein Mensch danach sĂŒchtig werden?


    Hallo EknAd: Die Frage ist durch Jumbo1 in diesem Thema und seinem anderen dazugehörigen Thema "Sucht - Wie wird aus Verlangen eine Sucht" schon wesentlich beantwortet worden.
    Sucht spielt sich im Kopf ab, genauer im Gehirn, und wird biochemisch gesteuert. Teilweise sind wir dem so stark ausgesetzt, daß wir uns gar nicht dagegen wehren können.
    Finde es immer lustig wenn Menschen sagen "Wenn der Wille nur da ist, wenn der Wille stark genug ist, dann geht das doch wie von selbst mit dem Aufhören von Alkohol oder anderen Suchtmitteln." Das stimmt nur zu einem kleinen Teil. Denn wir sind eben den biochemischen Prozessen im Gehirn, und Körper im Allgemeinen, völlig ausgesetzt.
    Starker Wille ist bestimmt das ZĂŒnglein an der Waage zur einer erfolgreichen Therapie und einem abstinenten Leben, aber eben nicht alles.
    Auf der einen Seite klatschen alle Beifall und schreien "Hurra", wenn gesagt wird, daß BetĂ€ubungsmittel uns "high" machen, also uns verĂ€ndern, auf der anderen Seite wollen die Menschen nicht glauben, daß es genauso chemische Prozesse sind, die Sucht auslösen und Menschen rĂŒckfĂ€llig werden lassen.
    Auf der einen Seite wird der chemische Prozess im Gehirn der BetÀubung als wahr und richtig, sogar als toll, wohlwollend abgehackt, aber wenn gesagt wird, wir sind genauso den chemischen Prozessen der Sucht unterworfen, da drehen sich die Leute um, senken den Kopf, winken ab, und meinen, nee, nee, das ist nur eine Frage des "Wollens", des Willen, der mentalen StÀrke.
    Scheissdreck ist das! Was ist der Wille? Was ist mentale StÀrke, also physische StÀrke (körperliche StÀrke), oder psychische StÀrke (geistige StÀrke)?
    LĂ€uft nicht beides im Gehirn ab? Wird unser Gehirn nicht durch biochemische und elektronische Prozesse gesteuert? NatĂŒrlich wird es das. Wenn wir also das GefĂŒhl des BetĂ€ubtseins als wahr, als biochemischen, elektrischen Prozess bezeichnen, dann muss zwingender- und logischerweise auch die Sucht ein Produkt aus biochemischen und elektronischen Reizen oder Prozessen sein.
    Ja, und da fangen wir alle an zu denken, "Ups, das ist ja der Hammer!", "Ist das so krass, so kompliziert?". Auch ich war beeindruckt und verwirrt zugleich, als ich Jumbos Abhandlung las. Ich dachte auch immer, naja, solang der Wille da ist...
    Aber was ist Wille? Was ist ein Gedanke? Das ist doch wahrhaftig nichts anderes als ein biochemischer, elektrischer Vorgang, der im Gehirn ablÀuft. Und genau diesen VorgÀngen sind wir alle ausgesetzt, jeder, jeden Tag, sogar in der Nacht, von unserem ersten Herzschlag bis zu unserem letzten.
    Deshalb helfen vielen auch moderne Medikamente beim Entzug und einem Leben ohne Sucht. NatĂŒrlich spielt auch der Charakter, die Lebenserfahrung, und eben auch die Seele, sowie der Glaube (an Gott, an gar nichts, oder an was und an wen auch immer) eine erhebliche Rolle bei dem riesigen Bereich der Sucht und ihrem Umfeld.
    Abschließend möchte ich noch sagen, natĂŒrlich, es gibt weltweit Millionen von Menschen, egal von was sie sĂŒchtig sind: Alkohol, Drogen, Medikamente, Spielsucht, Fresssucht, Magersucht, Sexsucht, Gewaltsucht, Kommunikationssucht (Chatsucht), Hypochondrie (?), und einiges mehr, die schaffen es ohne Medikamente, ohne Therapie, ganz von alleine, und oft sogar "Von Heute Auf Morgen" von ihrer Sucht loszukommen. Doch der großen Masse ist das GlĂŒck leider vergönnt, sie muss therapiert und gelĂ€utert werden...

    Lasse nie zu, dass du jemand begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glĂŒcklicher ist.
    Mutter Teresa

  • Hm, EknAd. Gute Frage - nĂ€chste Frage. :pfeif: 
    Persönlich denke ich, in der Logik dessen was Jumbo hier erklĂ€rt hat, daß auch das Aufhören von jetzt auf sofort biochemisch ablĂ€uft. Das könnte kaum anders zu erklĂ€ren sein. Bin aber keine Psychologin, Neurobiologin, oder sonst etwas, das könnte nur Jumbo erklĂ€ren, wenn er wieder hier ist. Vielleicht kommt er wieder mal zu Besuch ins Forum, wer weiss...

    Lasse nie zu, dass du jemand begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glĂŒcklicher ist.
    Mutter Teresa

  • Aber das wĂŒrde ja bedeuten, dass Sucht an sich nicht regulierbar wĂ€re, und SuchtprĂ€vention nur der Versuch der PrĂ€vention wĂ€re. Ich komm nicht umhin zu sagen, dass es eben sĂŒchtige Menschen gibt und man ihnen NICHT helfen kann. Was bedeutet, dass es keine wirkliche Hilfe dafĂŒr gibt. Sozialarbeiter, Psychologen und Psychiater bewirken eben gerade gar nix. Sie versuchen zu helfen, aber konkrete Hilfe gibt es nicht.


    Das selbe Spiel ĂŒbrigens auch bei unserer Justiz und Polizei. Es werden viele verhaftet und bestraft, aber werden es dadurch weniger?

  • Ja, erstmal Langeweile und Depressionen fĂŒhren bei mir zum Verlangen nach Alkohol! Es ist oft die Langeweile, man denkt sich: Ach mit Alk wird's lustiger, und am Tag danach merkt man wie Kacke das war! HauptgrĂŒnde fĂŒr den hĂ€ufigen Alkoholkonsum sind die Depris, Ängste, und Einsamkeit, aber bei vielen auch Langeweile im Leben!
    Die meisten Promis, die zu Drogen oder Alkohol greifen, die haben bis jetzt einfach alles im Leben gehabt und langweilen sich! Man geht von einer Sucht in die nĂ€chste, bei manchen ist es Sex, und bei anderen Drogen oder Alk, oder natĂŒrlich allles zusammen, man kriegt nie genug! Und irgendwann am Ende hat man auch von dem wieder genug, und dann kann das auch zu Selbstmordgedanken fĂŒhren!